5 Fragen an Ute Koczy, MdB
1. Wer sind Sie und was machen Sie?
Mein Name ist Ute Koczy, ich bin 1961 in Heidenheim an der Brenz geboren, Sternzeichen Zwilling, verheiratet und wohne mit meinem Mann im schönen ostwestfälischen Städtchen Lemgo (NRW). Studiert habe ich in Tübingen empirische Kulturwissenschaft, Ethnologie und Geographie. 1983 trat ich bei den Grünen ein. Mir lagen der Umweltschutz, die Friedens- und die Frauenbewegung am Herzen.
Meine politischer Werdegang ist ein Produkt der Frauenbewegung. Durch eine Selbsterfahrungsgruppe selbst-bewusst geworden, gehörte ich seit 1985 zur neu gegründeten Städtegruppe Tübingen der Frauenrechtsorganisation "TERRE DES FEMMES", Menschenrechte für die Frau e.V. Wir informierten in Veranstaltungen über Sextourismus, Ehrenmorde, Genitalverstümmelung und organisierten Demonstrationen gegen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Freihandelszonen (Südkorea). Dieses Engagement hat mich geprägt und als es dann darum ging, einen Beruf zu finden, habe ich mich zunächst 1988 auf eine ABM-Stelle für Flüchtlingsfrauen in Lemgo erfolgreich beworben und später im Welthaus Bielefeld als entwicklungspolitische Referentin gearbeitet. Dann ging es für 10 Jahre als Abgeordnete in den Landtag von Nordrhein-Westfalen, wo ich für die Ausschüsse Kinder, Jugend und Familie sowie Sprecherin meiner Fraktion für Europa- und Eine-Welt-Politik war. Seit 2005 bin ich Abgeordnete im Deutschen Bundestag und dort als Sprecherin für Entwicklungspolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen aktiv.
2. Wofür setzen Sie sich besonders ein?
Für Gerechtigkeit und Demokratie. Grüne Entwicklungspolitik hat das Ziel, die wirtschaftliche, soziale und politische Situation der Bevölkerung in den Entwicklungsländern zu verbessern, und zwar so, dass die Menschen ihre Grundbedürfnisse befriedigen können. Nachhaltigkeit ist dabei das Gebot – die sozialen und ökologischen Entwicklungsgrundlagen zukünftiger Generationen dürfen dabei nicht unterminiert werden. Das alte Credo, dass wirtschaftliche Entwicklung vorgeht und dann der Umweltschutz kommt, war schon immer ein Trugschluss und entpuppt sich angesichts des Klimawandels als schwerwiegender Fehler. Umwelt- und Ressourcenschutz sind stattdessen wichtige Wegbereiter für eine nachhaltige Entwicklung. Entwicklungspolitik ist nicht nur die Verteilung von finanziellen Ressourcen. Eine nachhaltige Entwicklung ist nur möglich, wenn Demokratie und die Wahrung elementarer Menschenrechte Hand in Hand gehen. Um die Entwicklungsziele zu erreichen, bedarf es neben der Förderung von „Good Governance“ (guter Regierungsführung) in den Entwicklungsländern aber auch einer globalen Strukturpolitik, die den Entwicklungsländern die Chancen einräumt, sich zu entwickeln. Dazu gehören ein fairer Welthandel, Zugang zu technischen Innovationen und Know-how, ein globales Klimaabkommen und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Rohstoffe in den Entwicklungsländern.
3. Warum Ihre Partei zur Bundestagswahl 2009 wählen?
Wir setzen unsere Schwerpunkte bei Klima, Gerechtigkeit und Bildung. Wir sind der Meinung, dass wir jetzt einen Neuen Gesellschaftsvertrag – sozial und ökologisch – brauchen. Einen Green New Deal. Wie in den Jahren nach dem Börsencrash von 1929 brauchen wir heute eine große Anstrengung, um die Krise und ihre Folgen zu bekämpfen. In der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre verband der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt mit einem »New Deal« wirtschaftspolitische und wohlfahrtsstaatliche Reformen, um so die »Karten neu zu verteilen«. Heute brauchen wir einen globalen Green New Deal, um in der Krise ein neues ökonomisches, soziales und ökologisches Fundament zu legen.
Wir leben alle in der Einen Welt, auch wenn wir in unterschiedlichen Welten aufwachsen. Kurzsichtige Interessenpolitik und ungerechte Wirtschaftsbeziehungen spalten die Welt in Verlierer und Gewinner. Ein grüner Neuer Gesellschaftsvertrag verpflichtet uns zu helfen, diese Spaltung zu überwinden. Wir in den Industrieländern müssen aufhören, auf Kosten der Armen dieser Welt zu leben. Erstmals in der Menschheitsgeschichte sind eine Milliarde Menschen chronisch unterernährt. Ob Klimawandel oder Konkurrenz um die Ressourcen Fisch, Holz oder Land, ob Finanzkrise oder Hunger, ob zerfallende Staaten oder Aufrüstung, keines dieser globalen Risiken betrifft uns nicht. Keines dieser Risiken und der aus ihnen erwachsenden Gefahren kann von einem Land allein bewältigt werden. Frieden und Sicherheit, Gerechtigkeit und Klimaschutz gibt es in unserer vernetzten Welt nur gemeinsam. Der Neue Gesellschaftsvertrag muss deswegen ein globaler sein. Er setzt auf Kooperation, Dialog und fairen Interessenausgleich: zwischen Arm und Reich, zwischen Nord und Süd.
Es gibt viel zu tun, damit alle Regionen die Chance haben, sich zu entwickeln und jeder Mensch die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben hat, frei von Furcht und Not und mit der Freiheit, in Würde zu leben. Für solch eine Politik stehen wir.
4. Welchen Stellenwert hat das Internet in diesem Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009?
Das Internet ist ein fester Bestandteil des digitalen Alltags und aus der Politik nicht mehr wegzudenken. Auf der einen Seite bietet es für mich die Möglichkeit, über meine Homepage (www.ute-koczy.de) direkt und ungefiltert Informationen an meine Wählerinnen und Wähler oder die interessierte Öffentlichkeit weiterzugeben und über meine Arbeit zu informieren. Aber das soll keine Einbahnstraße sein. Über das Netz ist es für viele einfacher, in Kontakt mit mir zu treten. Eine Email ist leichter geschrieben, als den Telefonhörer hoch zu nehmen. Ich finde diese Interaktion praktisch. Deswegen bin ich auch im Web 2.0 bei Facebook, einem sozialen Netzwerk, oder auf Youtube zu finden. Internetwahlkampf wird in Deutschland meiner Ansicht nach aber ein wenig überschätzt. Weil die Leute sich hier doch lieber auf dem Markt oder in einer Kneipe oder auf dem Bolzplatz treffen. Aber Internetwahlkampf macht mir Spaß und darf nicht fehlen.
5. Ihr Schlussstatement an die Mitglieder von duwählst.de?
Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen. Die Gefahr von Rechts ist ernst. Demokratie lebt nicht aus sich allein, sondern ist eine Errungenschaft, für die es sich lohnt, einzutreten. Deshalb meine Bitte: Wählen gehen!







