5 Fragen an Dr. Kirsten Tackmann, MdB

von duwählst.de am 14.08.2009

1. Wer sind Sie und was machen Sie?

Mein Name ist Kirsten Tackmann und ich bin 49 Jahre alt. Aufgewachsen in Berlin wohne ich seit 1987 mit meiner Familie (Mann Uwe, Sohn Janko, Tochter Nele, Airedale-Terrier Ilja) in Tornow, einem kleinen märkischen Dorf mit nicht einmal 80 Seelen in der Gemeinde Wusterhausen/Dosse, Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Ich bin von Beruf Tierärztin.

Seit 2001 arbeite ich wieder aktiv in der PDS- heute DIE LINKE- mit. 2002 wurde ich zur stellvertretenden PDS-Kreisvorsitzenden Ostprignitz-Ruppin gewählt und seit 2005 bin ich stellvertretende Landesvorsitzende der LINKEN Brandenburg.

2005 wurde ich über Platz 5 der Landesliste der LINKEn. Brandenburg zum ersten Mal in den Deutschen Bundestag gewählt. In der Bundestagsfraktion DIE LINKE bin ich die frauen- und agrarpolitische Sprecherin. Ich wohne und kandidiere im Wahlkreis 57 mit den Landkreisen Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und zwei Ämter im nördlichen Havelland.

Als Bundestagsabgeordnete sind mir die schönen Seiten eines naturnahen Lebens in einem kleinen märkischen Dorf ebenso nahe, wie die immer schwieriger werdenden Lebensbedingungen in den ländlichen Räumen für Frauen, Männer, Familien und Kinder, die hier bleiben wollen oder auch müssen.
Die Lebensqualität ist durch die Verarmung bedroht. Ganze Regionen werden von Landes- und Bundesregierung abgehängt. Die öffentliche Daseinsvorsorge abgebaut. Politik darf sich nicht aus ihrer Verantwortung in den ländlichen Räumen stehlen. Sie muss sich verstärkt für den Erhalt und Ausbau von sozialer, ökologischer und kultureller Infrastruktur einsetzen. Wer dort leben möchte, braucht existenzsichernde sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sowie öffentliche Infrastruktur und Dienstleistungen, die den Verfassungsauftrag gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Landesteilen sichern.

2. Wofür setzen Sie sich besonders ein?

Für ein solidarisches Miteinander in den Dörfern und Städten

Die Agrarwirtschaft ist ein sehr interessantes Arbeitsfeld und eine wichtige Stütze für das Leben und Arbeiten in ländlichen Regionen. Gleichwertige Lebensbedingungen auch in Dörfern und kleinen Städten muss durch eine sozial, ökologisch und ökonomisch ausgewogene Agrarpolitik geschaffen werden. Ein wichtiges politisches Anliegen ist die Unterstützung der gentechnikfreien Landwirtschaft und Imkerei in den Regionen, deren Initiativen wir politisch im Parlament und außerhalb stärken. Denn die Agro-Gentechnik bringt mehr Nachteile als Vorteile. Darum lehnt DIE LINKE sie ab.
Ich stehe für eine Ökologisierung der konventionellen Landwirtschaft und einen am Bedarf orientierten Ausbau des Ökolandbaus. Spekulationen mit Agrarrohstoffen und Böden müssen verhindert werden.

Als frauenpolitische Sprecherin meiner Fraktion ist Gleichstellung von Frauen und Männern für mich eine zentrale Frage der Demokratie. Politik muss sich frauenpolitisch endlich den Herausforderungen stellen, die Geschlechtergerechtigkeit auf allen Ebenen durchsetzt. Gerade Frauen brauchen auf dem Land neue Lebensperspektiven. Die Zeit ist überreif für die tatsächliche Gleichstellung in allen Lebensbereichen. Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, gleiche Chancen beim Berufszugang und beim beruflichen Aufstieg bis in die Führungspositionen sind ohne rechtlich verbindliche Regeln nicht zu erreichen. Die Verfassung garantiert schließlich auch in dieser Beziehung gleichwertige Lebensverhältnisse im Land!

Den Kampf gegen das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide habe ich im und außerhalb des Parlaments intensiv unterstützt. Der Widerstand gegen das Bombodrom gehörte und gehört zu meinem politischen Selbstverständnis und Alltag, wie für viele Menschen vor Ort. Ich wollte nicht, dass hier Krieg geübt wird, dass Natur und Arbeitsplätze zerstört werden. Und es war auch eine Frage der Demokratie, ob gegen den Willen der übergroßen Mehrheit in der Region ein solches militärisches Vorhaben durchgesetzt werden kann. Das Ende des Bombodroms kam nach 17 Jahren Widerstand sehr plötzlich und unerwartet. Niemand hat damit gerechnet, dass die Bundeswehr auf das Gelände verzichtet. Es ist nur dem aktiven Engagement der Menschen vor Ort und dem breiten Widerstand einer gesamten Region zu verdanken, dass die Kyritz-Ruppiner Heide tatsächlich frei ist. Vor allem in meinem Wahlkreis, da hier die Situation um das Bombodrom zum alltäglichen Leben der Menschen vor Ort gehörte. Die Interessen der Betroffenen und der Region waren und sind wichtiger für mich, als die der Bundeswehr.

3. Warum Ihre Partei zur Bundestagswahl 2009 wählen?

Je stärker DIE LINKE, desto sozialer, demokratischer und friedlicher wird das Land. DIE LINKE wählen heißt die Idee leben, dass eine andere, gerechtere und solidarische Welt möglich ist. Deutschland ist ein reiches Land. Aber inmitten des Reichtums wächst neue Armut. Viele Frauen, Männer, Familien und vor allem Kinder und Jugendliche leben in Zukunftsängsten. Die Kluft zwischen reich und arm, zwischen den herrschenden kleinen Eliten und der großen Mehrheit, zwischen Stadt und Land wächst. Mit ihr wächst die Ungleichheit der Lebenschancen, die soziale Ungerechtigkeit.
Gerade in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise mit der beschleunigten Umverteilung von unten nach oben geht es am 27. September um mehr, als nur die Ablösung der Großen Koalition. Die LINKE steht für eine sozial-ökologische Wende hin zu mehr Gerechtigkeit.
DIE LINKE hat klare, sozial gerechte und finanzierbare Alternativen zur Politik der Großen Koalitionen, wie sie im Bundestag regiert. Mit diesen Alternativen wollen wir als LINKE für den Alltag und nicht nur für den Wahltag gemeinsam kämpfen!

4. Welchen Stellenwert hat das Internet in diesem Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009?

Das Internet ist in den letzten Jahren zu einem der wichtigen, in weiten Teilen basisdemokratisch organisierten Kommunikationsmedien geworden, vor allem für die politische Kommunikation. Es ermöglicht einen unkomplizierten und demokratischen Weg, um mit anderen in Kontakt zu treten und Meinungen auszutauschen.
Leider gibt es in vielen ländlichen Regionen der Republik keine schnellen Internet-Anschlüsse. Andere Menschen sind aufgrund ihrer sozialen Benachteiligung von der digitalen Kommunikation ausgeschlossen. Damit alle an diesem Medium teilhaben können kämpft die LINKE konsequent dafür, dass die großen Versorgungslücken in den ländlichen Regionen umgehend geschlossen werden und diese Ausgrenzung beendet wird. In meinem Wahlkreisbüro ist während der Öffnungszeiten ein Internetanschluss für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Auch das ist eine Frage der Demokratie.
Ich selbst nutze das Internet um schnell und umfassend über meine politische Arbeit zu berichten und um mit Bürgerinnen und Bürgern ganz direkt in einen Dialog eintreten zu können. Sei es über meine Homepage unter www.kirsten-tackmann.de oder auch über die Social Networks und Plattformen wie Facebook u.a..
Ich glaube zwar nicht, dass diese Bundestagswahl im Internet entschieden wird. Das Internet ist aus meiner Sicht eine gute Ergänzung, um politische Inhalte zu transportieren. Der persönliche Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort bleibt mir sehr wichtig. Das wird auch zukünftig so bleiben. Denn vor allem über persönliche Gespräche erfährt man, was die Menschen wirklich beschäftigt, sie bewegt, wo sie der Schuh drückt und wo sie politische Unterstützung benötigen.

5. Ihr Schlussstatement an die Mitglieder von duwählst.de?

Demokratie ist nur solange lebendig, wie um sie demokratisch gestritten und unabhängig informiert wird. Sie lebt von aktiver Beteiligung, ob virtuell oder real. Plattformen wie duwaehlst.de bieten gute Möglichkeiten sich umfassend und über die gängigen Medien hinaus zu informieren. Information ist Bildung und Bildung kann und soll bewegen, vor allem junge Menschen.
Demokratie heißt auch wählen. Demokratie ist wählbar, darum ist es wichtig am 27. September an die Wahlurne zu gehen. Wer nicht wählen geht, wählt trotzdem. Wer wählt kann (mit-)entscheiden, wie sozial und gerecht diese Welt sein wird. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, aus der sich niemand stehlen sollte.

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